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Gestern war Ostern und dann?

Fast viereinhalb Wochen Coronazeit liegen hinter uns und ich sehne mich nach Normalität. Zugleich habe ich angefangen, mich innerlich einzurichten. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass noch lange mit Einschränkungen zu rechnen ist. Wann werden wir in den Gemeinden und Einrichtungen wieder mit Menschen zusammen unterwegs sein können – real, einander in die Augen sehend, vielleicht auch mit Schutzmaßnahmen, doch endlich wieder miteinander singen, beten, nicht durch Telefon oder Internet miteinander verbunden, sondern nebeneinander sitzend. Es fehlt mir, auch wenn ich mir aus dem großen digitalen Angebot längst meine Favoriten, mit denen ich nun meinen Glaubensalltag gestalte, herausgesucht habe. Es geht (gut), aber es fehlt etwas.

Das sind ungefähr auch meine Gedanken zum Auftreten und präsent Sein der Kirchen in diesen Tagen. Unglaublich viele Angebote sind in den letzten vier Wochen entstanden. Für jeden ist etwas dabei. Da bin ich mir sicher. Und sollte doch noch etwas fehlen, wird es sicher in den nächsten Tagen und Wochen noch entstehen. Sicher, das eine oder andere entspricht nicht meinem Geschmack, wäre sicher auch qualitiativ noch ausbaufähig. Aber was ist das nicht. Selbst der größte Blockbuster gefällt nicht einhundert Prozent der Zuschauer. Deshalb bin ich es auch leid, darüber zu diskutieren, wie Kirche sich gerade präsentiert. Ob sie endlich im digitalen Zeitalter angekommen ist, ob Pfarrpersonen sich dort nur selbst produzieren und besser schweigen sollten. Das haben in den letzten Tagen und Wochen genügend andere mehr oder weniger gut getan.

Mich bewegt etwas anderes. Seit die ersten Entscheidungen zum sogenannten Shutdown öffentlich wurden, folgten immer wieder Sätze und Aussagen, die den Eindruck hinterließen, dass nach Ostern alles zur Normalität zurückkehren würde. In vielen Gesprächen und Verlautbarungen hatte ich das Gefühl, als ginge es nur darum zu betonen, dass Ostern in diesem Jahr zwar anders werden würde, aber garantiert nicht ausfallen würde. Wie auch? Gott ist nicht an unsere Terminkalender gebunden und die Auferstehung hat sich längst vollzogen. Alles fieberte dennoch auf dieses Wochenende hin. Wie würde es werden? Wie könnte es gestaltet werden, damit die Menschen trotz geschlossener Kirchen merken, dass Ostern ist und nicht in ihrem Garten arbeiten oder ihr Auto waschen? Partys waren ja sowieso verboten.

Doch Ostern war gestern. Und heute? Es ist stiller in meiner Timeline – egal welchen meiner Social Media Kanäle ich heute morgen öffne. Ein paar Hinweise auf die großartigen Gottesdienste gestern und vorgestern und vielleicht noch Bilder von einigen wenigen vergessenen Ostereiern. Aber sonst? Und ich frage mich, was wird jetzt zum Fokus der Kirche werden? Das Datum, an dem endlich wieder Gottesdienste in unseren Kirchen gefeiert werden können? Oder Himmelfahrt? Oder Pfingsten? Die meisten Konfirmationen sind abgesagt worden. Die sind es nicht. Aber braucht Kirche in diesen Zeiten diese Zielpunkte oder kann sie sich auch im Alltag einer Coronazeit einrichten? Was motiviert, jetzt zum weitermachen, wenn am Sonntag wieder Gottesdienste gestreamt werden sollen und es kein Zählen auf Ostern mehr gibt?

Für mich steht dahinter die Frage, inwieweit Kirche es schaffen wird, die digitalen Angebote zur Normalität, zum Alltag werden zu lassen. Zu Angeboten, die auch nach Corona und Shutdown neben Gottesdiensten in den Kirchen vor Ort zum Glaubensalltag gehören werden. Oder bleiben diese Formate etwas Besonderes, das man eben zu Coronazeiten gemacht hat, wo man das Equipment aber später wieder einpackt, um zum Normalen wieder zurückzukehren? Wird es dieses Normale überhaupt noch wieder geben? Kirche hätte jetzt genügend Zeit, zu überlegen, wie das „und dann?“ aussehen könnte, wie die Vielfalt, die gerade neben den Gottesdiensten in den Kirchen entsteht, weiter gestaltet werden könnte. Sie hätte jetzt genügend Zeit, den Alltag einer digitalen Kirche zu Coronazeiten auszuprobieren ohne Zählen auf den nächsten Höhepunkt hin.

Ich wünsche mir, dass die Menschen in den Gemeinden, egal ob Pfarrperson oder nicht, diese Gelegenheit erkennen und nutzen, statt ihre Energien in endlose Diskussionen zu stecken, wer geeignet ist, Angebote in der digitalen Welt zu machen, und welche Qualität diese dann haben oder nicht. Und das Argument, wie sehr sich andere (nichtkirchliche) Menschen über so manches digitale Angebot der Kirchen lustig machen? Keine Angst, das machen sie auch über andere Angebote.

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