Kategorie: angedacht

Albert Einstein und RaumZeit

Im November hatte ich die Ehre, die fresh expression, in der ich arbeite, im FreshX-Netzwerk Deutschland in einer Kombination aus Andacht und Präsentation vorstellen zu dürfen. Die einleitenden Gedanken über Albert Einstein, RaumZeit, Gott und Jesus möchte ich Euch nicht vorenthalten. Wenn Ihr dann noch mehr über RaumZeit erfahren wollt, findet ihr mehr unter http://www.raumzeit.wir-e.de

 

Was hat Albert Einstein mit RaumZeit zu tunund dann auch noch Jesus…

Albert Einstein – viele kennen ihn, zumindest von Fotos oder ziemlich vielen Legenden, die sich um ihn ranken. War er nun gut in der Schule oder nicht, konnte er Mathe oder nicht? Soviel ist wohl sicher: seine Schulkarriere war nicht ganz so ruhmreich.

Seine physikalischen Entdeckungen sind eher aus der Langeweile heraus geboren, als dass er von Anfang an als Genie an renommierter Stelle gearbeitet hätte. Er war gelangweilt auf seiner Position im Patentamt, wo er vor allem für die letzte Kontrolle der Entscheidungen anderer zuständig war. Sein Job füllte ihn nicht aus, er war unzufrieden, wurde unruhig und unwillig. So machte er in seiner Freizeit das, was er gut konnte – sich mit Physik zu beschäftigen. Erst als er hier Ergebnisse lieferte, folgten die entsprechenden Stellen im Max-Planck-Institut und anderswo und schließlich der Nobelpreis.

Wir alle wissen, wofür er diesen Preis bekommen hat und ich vermute, jeder kann auch die entsprechende Formel zitieren, wobei ich jetzt nicht abfragen werde, wer sie auch erklären kann oder zumindest weiß, wofür die einzelnen Buchstaben stehen. Dennoch möchte ich Sie auf einen ganz kleinen Ausschnitt dieser Formel mitnehmen.
Wir Menschen erleben Raum und Zeit als zwei unterschiedliche Gegebenheiten. In der Physik jenseits der Lichtgeschwindigkeit bedingen sich Raum und Zeit gegenseitig. Sie stehen in Kausalität zueinander. Die Raumzeit ist die vierte Koordinate im vierdimensionalen Koordinatensystem. In diesem Koordinatensystem sind Raum und Zeit dynamisch und nicht mehr starr. Das sogenannte Raum-Zeit-Kontinuum ist so der Zusammenhang aller in der Vergangenheit passierten, gerade in der Gegenwart passierenden sowie zukünftig passierenden Ereignisse in einem Zusammenhang.

Ohne die Physik gewaltsam beugen zu wollen, muss ich bei diesen Ausführungen unwillkürlich an Gott, an Transzendenz und Immanenz denken. Der Zusammenhang, der alles umfasst, ist Gott. In dieser RaumZeit gestalten wir Menschen Raum und Zeit miteinander. So ist unser Projekt RaumZeit zu seinem Namen gekommen, in dem Verständnis, dass da, wo Raum und Zeit eins werden, in der vierten Dimension der Raumzeit, Gott immer schon da ist.
So sind wir, ich als Hauptamtliche und zwei Ehrenamtliche, auf dem Weg in dem Anliegen, mit den Menschen der beiden Stadtteile Riensförde und Ottenbeck Raum und Zeit zu gestalten und sie dadurch auf Gott aufmerksam zu machen. Vielleicht begegnet ihnen dann Jesus auf dem Spielplatz, im Café, beim Abendessen oder er tanzt einfach mal eine Runde mit den Menschen…

… denn wer dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm. (1. Kor. 6,11)

Baustelle des Glaubens

Am 21. Januar wurde ich offiziell in mein neues Amt als Pastorin für fresh x und Quartiersmanagement mitten auf einer Baustelle eingeführt. Was lagt da näher als über die Baustelle des Glaubens zu predigen. Die Predigt möchte ich euch nicht vorenthalten. Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Herzlich willkommen auf der Baustelle schön, dass sie alle so zahlreich gekommen sind – ach nein, so etwas sagt man nicht. Das geht doch nicht. Schließlich hängt an so ziemlich jeder Baustelle das allseits bekannte Schild „Betreten verboten, Eltern haften für ihre Kinder.“ Eine Baustelle ist gefährlich, niemand will und kann die Verantwortung übernehmen, wenn etwas passiert. Da ist es besser, sich abzusichern, durch Schilder und durch hohe Zäune.

Aber haben sie eine solche Baustelle schon einmal etwas näher beobachtet? Ich meine dabei erstmal noch gar nicht die Baustelle an sich, sondern das Geschehen vor dem Bauzaun. In Nordholz, wo ich die letzten sechs Jahre Pastorin war, hatte ich zwei Jahre alle Gelegenheit dazu. Die Kirchengemeinde hat eine Kirche gebaut und ich habe im Pfarrhaus direkt nebenan gewohnt, hatte also quasi den exklusiven Überblick. Natürlich standen auch um diese Baustelle die besagten hohen Zäune herum und natürlich hing auch an diesen Zäunen alle paar Meter das besagte Schild „Betreten der Baustelle verboten“. Schließlich musste die Kirchengemeinde auf Nummer sicher gehen. Doch schon Tage bevor sich die erste Baggerschaufel in den Boden grub, um mit dem Erdaushub für die Fundamente zu beginnen, war etwas in unserer Straße zu beobachten – es reichte das bloße Aufstellen der Zäune und Anbringen der Schilder.

Was dort geschah? Das Verkehrsaufkommen in unserer Straße steigerte sich merklich und das lag nicht daran, dass der Lidl auf der anderen Straßenseite gerade besonders gute Angebote hatte. Nein, die Autos, Radfahrer und Fußgänger, die durch unsere Straße fuhren oder gingen, waren gekommen, um die Baustelle der Kirche anzusehen. Wie ich darauf komme? Das Grundstück der Kirchengemeinde in Nordholz liegt auf der Spitze zwischen drei Straßen und man konnte herrlich im Kreis fahren und so die Baustelle von nahezu allen Seiten betrachten. Seit dem Tag, an dem die Bauzäune errichtet worden waren, taten das viele. Und wer bei der ersten Runde noch nicht alles gesehen hatte, fuhr gerne auch noch eine zweite Runde ums Gelände herum. Viele blieben auch stehen, so mancher wagte einen Blick direkt durch den Zaun, so wie man sich das immer an den Gehegegittern im Zoo vorstellt. Ich habe dann so manches Mal gewitzelt, ich stelle eine Kaffeebude auf und werbe damit die noch fehlenden Mittel für den Kirchbau ein.

Es gab auch einige Mitbürger, die täglich oder wöchentlich zur Baustelle kamen, um Fotos zu machen – ich glaube, die Baustelle unserer Kirche ist in zwei Jahren Bauzeit mindestens genauso oft fotografiert worden wie der Kölner Dom in seiner ganzen Geschichte, wobei dessen Bauzeit ja bis heute nicht abgeschlossen ist.. Besonders interessant wurde es übrigens auf der Baustelle bzw. in ihrem Umfeld, als der Rohbau abgeschlossen war, man von außen quasi nicht mehr viel sehen konnte, weil innen nun der Innenausbau stattfand. Sie kennen das, der Innenausbau dauert ja fast so lange, manchmal sogar länger als der Rohbau. Wie oft haben mir da die Mitarbeiter der verschiedenen Bauunternehmen erzählt, dass mal wieder neugierige Mitbürger sich ihren Weg ins Innere der Kirche gesucht haben, sie sie nur mit Mühe und Not davon abhalten konnten, in den frisch gegossenen Estrich zu treten oder auf das Gerüst zum Bau der Orgelempore zu klettern.

Der erste Gottesdienst, Heilig Abend in der Baustelle der Kirche, war so gut besucht, wie lange nicht mehr. Während zu anderen Zeiten die Temperatur in der Kirche nie die richtige ist, haben an jenem Abend alle gerne gefroren. Auch die Bierzeltbänke waren nicht zu unbequem und dass viele stehen mussten, war an jenem Abend überhaupt kein Problem. Ganz ehrlich? Viele der Menschen habe ich an jenem Abend das erste Mal in der Kirche gesehen.

Genau deshalb war ich begeistert, als wir im November zusammen mit Superintendent Kück und Pastorin Brandy überlegten, den Gottesdienst zu meiner Amtseinführung hier in der Baustelle zu feiern, man könnte sagen „Mit Baustellen kenne ich mich aus“.

Außerdem liebe ich das Bild von der Baustelle. Ich vergleiche den christlichen Glauben immer mal wieder mit einer Baustelle und ja, ich weiß, jeder Vergleich hinkt an der einen oder anderen Stelle. Doch ich halte es da wie Jesus, der zu den Menschen auch gerne in Bildern und Gleichnissen sprach. Der Glaube als Baustelle, die viele gerne durch Zäune nach außen absichern, um keine Gefahr einzugehen. Bitte auch niemanden Fremdes, der nicht dazu befugt ist, auf die Baustelle lassen, wer weiß, was sonst passiert. Neue Ideen könnten ja den ganzen Bau verändern. Das geht nicht, man muss sich doch an die Pläne halten und so haben es schon die Handwerker vor uns gemacht. Am besten nichts nach außen zeigen, denn wer weiß, was dann passiert. So findet Glaube an vielen Orten hinter Zäunen oder verschlossenen Mauern statt, hinter der Kirchentür oder im Gemeindehaus. Und wenn der Gottesdienst oder der Frauenkreis, wo ich wirklich Gutes von Gott gehört habe und an meinem Glauben bauen konnte, wenn er zuende ist, dann verlasse ich die Baustelle für den Rest der Woche. Dabei trauen sich nur wenige, die bisher mit der Baustelle des Glaubens nichts zu tun hatten, auf die Baustelle. Die Schilder an den Zäunen, das Gefühl, hinter dem Zaun, auf der Baustelle könnte es gefährlich sein, schreckt viele ab. Und doch ist da diese Neugier, die Sehnsucht danach, auch etwas über die Baustelle zu erfahren. Und manchmal habe ich das Gefühl, dass der Verkehr auf den Straßen um die Baustelle in den letzten Jahren wieder deutlich zugenommen hat, nur auf der Baustelle merkt man es nicht.

Und dann gibt es da diese seltenen Einblicke auf die Baustelle: die Hochzeit, zu der man eingeladen ist, bei der man merkt, dass es da auf der Baustelle irgendwie doch ganz anders ist, als man es sich vorgestellt hat. Der Kirchentag in diesem Jahr in Berlin und vielen anderen Orten wird sicher auch für so manchen so ein Blick auf diese Baustelle sein. Doch wahrscheinlich werden die meisten danach nicht wieder auf die Baustelle kommen, so wie nach jenem ersten Heiligabend Gottesdienst auf unserer Kirchenbaustelle in Nordholz. Im Alltag geht es eben doch wie gewohnt weiter. Und im Alltag hat die Baustelle des Glaubens keinen Platz. Dort gehe ich nur hin, wenn ich Zeit übrig habe.

Doch wer bleibt, oder wer wiederkommt, der kann erfahren, dass diese Baustelle sich lohnt, dass da etwas ganz großartiges entsteht, etwas, dass das Leben verändert. Denn der Bauherr ist ein ganz besonderer. Er heißt Gott und hat schon ziemlich viele gute Bauprojekte durchgeführt: angefangen bei der Arche, die vierzig Tage Dauerregen und die größte Flut der Weltgeschichte unbeschadet überstanden und die Existenz der Menschen und Tiefe auf der Erde gesichert hat. An seiner größten Baustelle aber baut der Bauherr noch: am Reich Gottes, dem himmlischen Jerusalem. Den Eckstein dazu, der alles trägt, hat er schon gelegt in Jesus Christus. Nun liegt es an uns Menschen, am Reich Gottes weiterzubauen und die Baustelle der Vollendung entgegenzuführen. Doch dafür braucht es viele fleißige Hände und die sind noch lange nicht alle auf der Baustelle angekommen. Sie stehen noch davor, schauen vielleicht schon mal neugierig über den Zaun, fahren eine Extrarunde um die Baustelle oder bleiben zumindest auf der anderen Straßenseite kurz stehen. Diese Menschen in den Blick zu nehmen, ist die Herausforderung, der die Christen sich immer mehr stellen müssen, soll die Baustelle, das Reich Gottes, vollendet werden. Dann kommen wir an den Punkt, an dem der Vergleich hinkt. An der Baustelle des Glaubens darf nicht das Schild „Betreten verboten“ stehen, um die Neugierigen und Sehnsuchtsvollen außen vor zu halten. An dieser Baustelle ist jeder willkommen und jeder kann und soll an diesem Bau mitbauen, seine Ideen und Gedanken einbringen. An dieser Baustelle muss eigentlich ein ganz anderes Schild stehen: wegen Umbau geöffnet. Und der wichtigste Ort ist die Baustellenausfahrt, der Ort, den man frei halten soll, damit alles aus dem Glauben hinaus in den Alltag fließen kann und die Baustelle Glauben nicht hinter hohen Zäunen verborgen bleibt. So will es der Bauleiter und seinen Bauplan hat er uns allen in die Hand gegeben.

Die Projektstelle, auf die ich heute eingeführt worden bin, ist so eine Baustellenausfahrt, vielleicht auch der Beginn, die Bauzäune trotz Baustellenbetrieb abzubauen. Ich freue mich sehr, dass ich an dieser Stelle den Bauplan unseres Bauleiters mit umsetzen darf. Und dann komme ich wieder zur Kaffeebudenidee zurück, die ich schon in Nordholz beim Bau der Kirche hatte. Bereits im Bewerbungsgespräch habe ich gesagt, dass ich mir vorstellen kann, mit dem Bollerwagen und Kaffee durch die Siedlung zu ziehen, um die Menschen kennenzulernen und von ihnen zu hören, zu erfahren, was sie bewegt. In den Zeitungsartikeln nach der Bekanntgabe der Besetzung der Stelle durch mich war ebenso von diesem Bollerwagen zu lesen. Und was soll ich sagen: Hier steht er. Heute noch nicht mit Kaffeekannen, Teekannen und Tassen gefüllt. Dafür aber mit Zetteln und Stiften. Ich möchte mich zum Tee bei Ihnen einladen, um sie kennenzulernen. Schreiben Sie doch einfach im Laufe des Nachmittags ihren Namen und ihre Telefonnummer auf einen der Zettel und ich rufe Sie an. Wir machen einen Termin aus und ich komme sie auf einen Tee oder Kaffee besuchen. Den selbstgebackenen Kuchen bringe selbstverständlich ich mit. Und wer sich den Bollerwagen einfach nur mal etwas näher anschauen will, der findet noch ein wenig Stärkung darin. Dieses Angebot gilt nicht nur heute, sondern immer, wenn sie den Bollerwagen irgendwo stehen oder fahren sehen.

Denn ich möchte mit Ihnen, den Menschen hier in Riensförde und Ottenbeck, zum einen auf den Baustellen der Stadtteile arbeiten, zum anderen aber auch auf der Baustelle des Glaubens. Dabei können wir keinen besseren Bauherrn als Gott haben, denn wenn er nicht das Haus baut, dann bauen umsonst, die daran bauen.