Monat: März 2021

Was Corona mich gelehrt hat…

In diesen Tagen tobt der Streit um die Frage der Gottesdienste – in der Kirche vor Ort oder lieber digital im Netz. Was ist zu verantworten und was nicht? Doch das ist nicht der einzige Kriegsschauplatz, denn die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare oder das Verhalten der Kanzlerin rufen ähnliche Szenen auf den Plan. Und ja, ich schreibe an dieser Stelle bewusst von Kriegsschauplätzen. Es wird nicht nur diskutiert und gestritten. Das wäre vielen dieser Themen gegenüber angemessen. Aber leider geht die Mehrzahl der Auseinandersetzungen mittlerweile in persönliche Angriffe und eine Wortwahl weit unterhalb der Gürtellinie über. Das mag man in Reihen der Politik vielleicht noch „normal“ finden. In kirchlichen Zusammenhängen hält es aber ebenfalls zunehmend Einzug. Und seit Corona noch deutlich mehr und offensichtlicher.

Ich mag Sprache. Spiele gerne mit Worten, auch wenn mein Deutschlehrer immer der Meinung war, dass ich es nicht könnte. Zumindest einer meinte das. Doch die Freude an der Sprache habe ich nie verloren. Auch an anderen Sprachen nicht. Und so habe ich im Alten Testament oft darüber nachgedacht, welcher Sprachfelder sich die Propheten und Geschichtsschreiber bedienten. Und das gleiche tue ich auch mit Blick auf den aktuellen Sprachgebrauch.

Es sind mehr und mehr Kriegsschauplätze, die sich da auftun. Da geht es nicht nur um Höflichkeitsformeln und die Form der Begrüßung. Da geht es um die Worte, die Menschen nutzen, um ihren Gedanken und Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Immer mehr tauchen da Worte auf, die dem Inhalt der Botschaft fast entgegenstehen. Wie wird gute Nachricht vermittelt, wenn jemand auf die Kanzel muss (!)? Im Wortgefecht wird nicht mehr diskutiert, sondern gefightet und anhand eines einzelnen Satzes meint man die Meinung des anderen zu kennen, um ihn dann persönlich zur Schau zu stellen. Letzteres tat man übrigens bereits in der Antike mit den Kriegsgefangenen, um sie noch mehr zu demütigen.

Diese Entwicklung macht mich traurig. Sie führt dazu, dass ich immer weniger mitreden mag. Was nicht heißt, dass ich zu den genannten Themen keine Meinung hätte. Doch ich mag sie nicht mehr äußern. Rede lieber im persönlichen Gespräch mit Freunden darüber, als öffentlich zu schreiben oder auszusprechen. Aber ist das die Lösung? Sicher nicht. Doch zur Zeit ist es der Grund, weshalb ich an der Kirche zweifle. Mich frage, ob ich sie weiter mitgestalten will, wenn diese Form der Kommunikation mehr und mehr Einzug hält.

Es heißt an vielen Stellen, dass Corona eine Art Katalysator sei, der vieles beschleunige, z.b. die Entwicklung der digitalen Kirche. Andere bezeichnen Corona als Brennglas, das die schon vorher existenten Probleme deutlicher hervor treten lasse. Mir stellt Corona noch einmal ganz neu die Frage in welcher Form ich diese Kirche weiter mitgestalten möchte, wo mein Ort in ihr und was meine Vision von ihr ist. In Sachen Sprache jedenfalls wünsche ich mir anderes…