Schlagwort: Mut

Licht unter dem Scheffel

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich lange mit einer Frau mittleren Alters. Es ging buchstäblich um Gott und die Welt. Irgendwann landeten wir auch bei dem, was ich tue. Ich erzählte ihr, dass ich Pastorin für fresh expressions of church sei, und von RaumZeit, meinem Projekt oder besser meiner Gemeinde, auch wenn sie als solche (noch) nicht anerkannt ist. Die Frau war sehr interessiert, stellte Fragen, wollte verstehen, was ich mache. Sie fragte sogar nach meiner Vision. Irgendwann, es war schon fast eine Stunde vergangen, sagte sie diesen einen Satz, der unserem Gespräch noch einmal eine ganz neue Richtung gab: „Übrigens, ich bin seit einigen Jahren auch gläubige Christin.“

Unsere Unterhaltung ging noch eine Weile. Ich habe sie sehr genossen. Und doch beschäftigt mich seither ein Gedanke: Warum halten wir mit unserem Bekenntnis zu Christus oft so lange hinter dem Berg? Ist es Angst? Haben wir schlechte Erfahrungen gemacht? Oder gehört es sich bei uns einfach nicht, offen davon zu reden? Vielleicht fühlen sich die anderen ja auch davon belästigt.

Viele dieser Beweggründe kann ich gut verstehen. So manch einer möchte auch lieber an seinen Taten und nicht an seinen Worten erkannt werden. Allerdings frage ich mich, wie die Menschen dadurch etwas von Jesus Christus erfahren sollen. Viele Verhaltensweisen werden einfach mit gutem Benehmen und Höflichkeit in Verbindung gebracht und nicht mit einem christlichen Leben. Früher oder später braucht es Worte, die von Jesus, von Gott, von Gnade und Barmherzigkeit erzählen. Warum also nicht früher und gut erkennbar? Ich weiß, ich höre jetzt schon die Stimmen, die an die alten Methoden der Mission erinnern, die vor Frommen und Straßenevangelisation warnen. Dann sind da auch noch die, die meinen, für Mission nicht geeignet zu sein, zu wenig zu wissen, nicht die richtigen Worte finden zu können.

Ich denke, es braucht dafür keine besondere Ausbildung, Vorbereitung oder ein besonderes Talent. Wer von Gott berührt wurde, der kann auch von ihm erzählen – durch sein Leben in seinem Alltag. Warum nicht mal sagen, dass man betet und wo es geholfen hat? Warum das Gebet vor dem Essen weglassen, nur weil man in fremder Gesellschaft ist? Warum nicht mal vom Gottesdienst erzählen und andere einladen und mitnehmen? Warum nicht auch mal davon erzählen, wo oder wie man Gott begegnet ist, wo man ihn gespürt hat? Am Anfang kostet das sicher Überwindung, braucht etwas Mut. Aber dann bereichert es nicht nur das Leben der anderen, sondern auch das eigene. So wie mein Gespräch mit der Frau vor ein paar Tagen noch einmal eine ganz neue Dimension bekam durch ihr Bekenntnis. Am Ende hätte sogar ein gemeinsames Gebet stehen können. Schade, dass wir es nicht getan haben.

So möchte ich euch Mut machen, selbst anderen von eurem Leben mit Jesus zu erzählen. Ich bin mir sicher, dass es euer Leben unglaublich bereichern wird. Ganz nebenbei würden wir damit auch den Auftrag Jesu erfüllen: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker.“

Wie geht es euch mit dem Bekenntnis zu Jesus Christus? Erzählt ihr anderen davon oder liegt euch das eher nicht? In den Kommentaren ist Platz für eure Erfahrungen.

Wie hältst Du´s mit der Frustration?

Es sollte ein Experiment, ein Versuch, ein erstes Angehen werden. Die Idee dazu entstand irgendwann im November des vergangenen Jahres. Da huschte ein Hashtag durch die sozialen Medien – #hundert5 – verbunden mit der Frage und der Idee, dass sich hundert Pionierinnen und Pioniere einen Abend lang, fünf Stunden, treffen, sich kennenlernen, austauschen, inspirieren. Ich war von Anfang an von der Idee begeistert. Geworden ist daraus das Missionale Atelier am Vorabend der diesjährigen Missionale in Köln. Mein Terminkalender gab mir frei und ich konnte fahren.

Zwar waren es nicht hundert Pioniere, doch ungefähr fünfzig trafen sich im Solution Center, einer Büroetage für Coworking, mit Sesseln und Sofas, Küche und Kaffeeecke wunderbar eingerichtet. Die meisten kannten sich schon – einige persönlich, viele aus den Sozialen Medien, wo man sich gegenseitig folgte, voneinander oder den jeweiligen Projekten las. So entstanden binnen weniger Minuten angeregte Gespräche. Es wurde von den eigenen Vorhaben berichtet, Fragen gestellt, Ideen getauscht und reflektiert. Endlich gab es dafür genügend Raum und Zeit. Wieviele Ideen an diesem Abend noch entstanden sind, werden vielleicht erst die nächsten Wochen zeigen. Doch für mich war Energie und Kreativität im Raum. Allein dafür hat sich die lange Fahrt gelohnt.

Mein persönliches Highlight aber war der Eingangsimpuls von Frank Berzbach. Durch sein Buch „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ war ich einst auf ihn aufmerksam geworden. Ihn nun real erleben zu dürfen, bereicherte meinen Abend. Unter der Leitfrage „Wie hältst Du’s mit der Frustration?“ bzw. dem Thema „Kreativität und Frustration“ ließ er seine Hörer an seinen Gedanken teilhaben. Die begannen mit dem Satz „Wer kreativ ist, ist automatisch mit Frustration konfrontiert.“. Dabei sind wir alle kreativ, nur mit der Realisierung hapert es oft. Anschließend stellte Berzbach die zwei Seiten der Frustration vor, berichtete von den Fallstricken, die eine Organisation den Kreativen stellt, allein dadurch dass sie Organisation ist. So muss der Kreative Nischen finden, in denen Innovation möglich ist, eine Art zufriedener Außenseiter werden, der Bremser und Bedenkenträger ignoriert ohne für berechtigte Kritik blind zu werden. Dabei ist die Einsamkeit die größte Ressource der Kreativität.

Mit diesen Worten hat Frank Berzbach mir viel zum Nachdenken mitgegeben. Bei weitem nicht alle Gedanken waren an diesem Abend schon abgeschlossen. Kreativität, Einsamkeit, Außenseitertum – Begriffe, die mich in meiner derzeitigen Situation ansprechen. Es von jemand anderem zu hören, war wie eine Erlaubnis es zu leben. Das trägt noch einmal andere Aspekte in mein Tun. Dazu trat ein weiterer Gedanke Frank Berzbachs: Wer mit Humor über die Fallstricke der Organisation balanciert, kommt nicht so oft zu Fall. Humor entwaffnet, wie Joseph Beys einmal sagte. Er hilft, eine Art „selektiven Größenwahn“ zu leben, in dem man unterscheidet, was man ändern kann und was nicht, um die eigene Energie zu erhalten. Denn ohne Energie gibt es keine Kreativität.

Diese Energie war im Anschluss im Raum zu greifen. Die Coaching Zone mit Bob und Mary Hopkins bereicherte die Gespräche noch um weitere inspirierende Gedanken. Von Frustration war für mich in diesen Stunden wenig zu spüren. Da galt wohl jener Satz, der im geistlichen Abschluss fiel: „Gottes Antwort auf Frustration ist Geist.“

Experiment geglückt. Der Abend war mehr als gewinnbringend und ich wünschte mir, es gäbe mehr dieser Ateliers, in denen Energie und Kreativität frei gesetzt werden und Neues entsteht. Mich zumindest lassen die Gedanken dieses Ateliers noch nicht los und ich werde sicher an so manchem weiter denken.

Übrigens: einige der besten Zitate schwirren in den Sozialen Medien unter dem Hashtag #missionale18 rum.

Wenn Ermutiger Ermutigung brauchen

Wenn mich Menschen fragen, worin ich meine Aufgabe sehe, so lautet eine Antwort „Ich möchte Menschen Mut machen, ihre eigene Form von Kirche zu entdecken und zu gestalten.“ Ich möchte Mut machen, ermutigen. Und nicht nur ich, viele andere auch. Gerade letztes Wochenende sagte eine junge Kollegin mit Blick auf ihre Jugendarbeit zu mir: „Ich sehe mich als Ermutigerin für die Jugendlichen.“ Den Menschen nicht vorgeben, was zu tun ist, sondern sie ermutigen, selbst auszuprobieren, selbst zu gestalten – für mich ist das eine wichtige Grundlage meiner Arbeit.

Doch immer häufiger erlebe ich, dass Ermutigerinnen und Ermutiger selbst mutlos werden. Die, die sie ermutigen wollen, möchten lieber konsumieren, als selbst aktiv zu werden. Projekte kommen nicht ins Laufen. In ihrem Umfeld schlägt ihnen mehr Gegenwind entgegen, als dass sie Unterstützung erfahren. Und manchmal sind es die bürokratischen Zwänge, die jedes zarte Pflänzchen im Keim ersticken. Dann höre ich Sätze wie: „Die Kirche ist noch nicht so weit.“ oder „An den ganzen Widerständen reibe ich mich auf!“…

Auch mir geht es manchmal so. Endlose Diskussionen in einer Sitzung, zigtausend Nein und Aber mit Blick auf ein neues Vorhaben. Dann würde ich am liebsten alles hinschmeißen, mir eine x beliebige Stelle suchen und gut wäre es. Doch es gibt Dinge, die mich davon abhalten, mir wieder Mut schenken. An erster Stelle steht da meine Beziehung zu Gott. Wenn ich sein Wort höre, seine Gegenwart spüre, mit ihm rede, dann spüre ich neuen Mut, neue Motivation. Dann weiß ich, dass sich alle Mühe lohnt.

Daneben gibt es aber noch etwas, das mir hilft – Beziehungen zu und Gemeinschaft mit gleichgesinnten Christen. Wenn es im täglichen Geschäft eng wird, dann habe ich eine Freundin oder einen Freund, der ich texten kann, der für mich und mit mir betet. Um gute Gemeinschaft zu erfahren, habe ich mir Netzwerke gesucht, in denen wir gemeinsam auf dem Weg sind. Churchconvention ist so eines. Und dann muss ich ein- bis zweimal im Jahr zu einem Kongress, einem Großevent, wo ich einfach auf Grund der Teilnehmerzahl schon spüre, dass ich nicht allein unterwegs bin. Mit zehntausend Menschen „Lobet den Herren“ singen tut einfach gut. Dazu gute Themen, Workshops, Gespräche. Das gibt Kraft für mindestens ein halbes Jahr.

Deshalb möchte ich euch Mut machen. Sucht euch eure Unterstützer, die ihr zu jeder Zeit anrufen könnt. Sucht euch eure Netzwerke, die euch gut tun. Fahrt zu Veranstaltungen, die euch spüren lassen, dass ihr nicht alleine unterwegs seid. Vor allem aber hört auf Gottes Wort und Stimme und betet. Kaum etwas gibt soviel Kraft wie das Gespräch mit Gott.

Was gibt euch Mut? In den Kommentaren könnt ihr davon erzählen.

Übrigens: am 23. und 24. Februar bin ich bei der Missionale in Köln – auch so ein mutmachendes Event. Bei Twitter und Facebook werde ich mich von dort melden. Also folgt mir doch auch dort.