Schlagwort: Ermutigung

Elf Freunde sollt ihr sein…

…ein Satz, der uns aus dem Fußball bekannt ist, der sich seinen Weg in viele weitere Bereiche gebahnt hat. Dahinter steht der Wunsch nach Gemeinschaft, denn, so ist die Überzeugung, in einer Gemeinschaft lässt sich fast alles erreichen. Aber Gemeinschaft lässt sich nicht erzwingen. Niemand kann dazu verpflichtet werden, zumindest nicht so, dass die Gemeinschaft dann auch funktioniert.

Vor eineinhalb Jahren startete ich in die Pionierweiterbildung. Schon in der Ausschreibung stand etwas von Weggemeinschaft. Vielleicht nicht für immer, aber für diesen Weg, die gemeinsame Zeit der Weiterbildung bestand der Wunsch Gemeinschaft zu werden, zu sein, zu leben. Aber lässt sich das erzwingen?

Ich habe mich auf das Abenteuer eingelassen. Am ersten Tag war ich ziemlich aufgeregt. Ich weiß es noch wie heute. Welche Menschen werde ich kennenlernen. Können wir eineinhalb Jahre Weiterbildung gemeinsam aushalten oder werden wir alle froh sein, wenn der letzte Tag gekommen ist. Wie wird der Umgang mit dem Leitungsteam sein, dass sich ja diese Weggemeinschaft schon per Ausschreibung wünschte. Gedanken, die unablässig in meinem Kopf kreisten.

Die ersten Tage der Weiterbildung bestanden aus dem gegenseitigen vorsichtigen Abtasten. Wo kommen die anderen her, was machen sie, was denken sie und wie sind sie so drauf? Und dann gab es die ersten Momente, in denen wir einfach nur herzhaft zusammen gelacht haben, gemeinsam im Wald gefühlt oder in Berlin gefeiert haben. Momente, in denen wir zusammen gesungen, geschwiegen, gebetet haben. Jedes Mal, wenn wir uns trafen – manchmal lagen Monate dazwischen – war es mehr wie nach Hause kommen. Dabei waren wir so unglaublich verschieden. Katholisch oder evangelisch, Landeskirche oder Freikirche, Hauptamtlich oder gar nicht bei Kirche engagiert, jung oder schon etwas älter, aus dem Norden oder dem Süden und manche auch so ganz anders als man selbst. Aus diesen Menschen sollte eine Gemeinschaft werden?

Sie entstand in einer Form, in der ich es bisher selten erlebt habe. Ich kann nur ahnen, warum es gelang. Wir alle haben uns auf dieses Abenteuer eingelassen, waren offen dafür, neue, ganz andere Menschen kennenzulernen und sich mit ihnen auf den Weg zu machen. Auch wenn es für den einen oder die andere eine ganz schöne Herausforderung war. Was uns dazu bewegte? Wir hatten ein gemeinsames Anliegen, etwas, das uns alle bewegt. Wir alle leben in einer Beziehung mit Gott, in sehr lebendigen, sehr unterschiedlich gestalteten Beziehungen. Aber wir alle wünschen uns, dass auch andere Menschen das Geschenk dieser Beziehung erfahren dürfen. An der missio dei wollen wir mitwirken.

Das trug uns, ließ uns zusammen kommen und Gespräche bis tief in die Nacht führen. Im Glauben an diesen Gott begleiteten wir einander, nahmen Anteil am Leben der anderen, feierten neues Leben und trauerten um die, die den Kurs nicht beenden konnten. Wie sehr diese Gemeinschaft gewachsen ist, zeigte sich in den letzten zweieinhalb Tagen, die persönlich, intensiv und segensreich waren. Noch einmal klangen tiefe persönliche Erfahrungen an, noch einmal schenkten wir einander Einblick in unser Leben. Als Abschiedsgeschenk an jeden einzelnen von uns. Wir beteten füreinander und sprachen uns Segen zu. Mein Gedanke auf der Heimfahrt: das ist Kirche, Kirche wie Menschen sie brauchen, wie ich sie leben möchte, wie Gott sie ins Leben gerufen hat.

Deshalb sind diese Worte nicht nur ein Liebeslied auf Gott, der uns diese Gemeinschaft schenkte, sondern auch auf die Weggefährten dieser Weiterbildung. Lasst diese Kirche an je euren Orten spürbar und sichtbar werden.

Gartenzwerggedanken

Ich hab den Gartenzwerg in London gefunden. Auch wenn er schon etwas in die Jahre gekommen ist, steht er in der Nähe des Columbia Road Flower Markets doch goldrichtig. Wenn ich hier so durch die Straßen wandere, denke ich viel über Kultur und Tradition nach. Da musste das Bild vom Gartenzwerg einfach mit, ist er doch oft ein Symbol für eine bestimmte Kultur in Deutschland. Hier stand er in einem angesagten Hinterhof mit Mode, Kunst und Coffeeshop. Wie gegensätzlich das doch ist…

Und dann laufe ich an alten, fast baufälligen Kirchen vorbei und mir schallt fröhliche Musik entgegen und an der Tür werde ich freundlich eingeladen hineinzukommen. Dabei kommen mir Gedanken an Kirchen in Deutschland, gut ausgestattet, sehr gut gepflegt, aufgeräumt und der Begrüßungsdienst gut geschult. Aber das Leben fehlt.

Selbstverständlich weiß ich, dass diese Beschreibung klischeehaft ist, dass es auch in Deutschland und England andere Kirchen und Gemeinden gibt. Aber es erinnert mich an einen Satz, den ich vor ca. zehn Jahren einmal in England gehört habe: „In Deutschland sind eure Kirchen noch zu reich. Es besteht gar keine Notwendigkeit, dass ihr handelt und über andere Wege nachdenkt.“ In diesen Worten und in den Begegnungen in England und in Deutschland liegen für mich alte Weisheiten und Mutmachendes dicht beieinander. Zum einen bringen gut sanierte und gepflegte Kirchen nicht mehr Menschen in die Kirche, auch wenn ich mich freue, dass Kirchen und Gemeinden diese Arbeit noch immer leisten können. Zum anderen zeigt es, dass auch ohne viel Geld Großartiges entstehen und wachsen kann. Auch in Zeiten sinkender Finanzen können Gemeinden wachsen oder sogar entstehen. Das ist so ein bisschen wie mit dem Gartenzwerg. Er zählt nicht zu den schönsten, ist nicht gerade groß und doch mehr oder weniger weltberühmt, was mit der Liebe und Hingabe einiger Menschen an dieses Gartenaccessoire zu tun hat.

Liebe und Hingabe – es ist die Haltung, die etwas verändert. Sicher, innovative Projekte und Veranstaltungen rufen sehr viel Aufmerksamkeit hervor. So manch eine*r mag dabei denken: „So kreativ oder innovativ bin ich nicht!“ Doch das ist nicht das Entscheidende. Es ist die Haltung gegenüber den Menschen. Was sie auszeichnet? Liebe und Hingabe zu Christus und den Menschen. Bereitschaft, das Leben der Menschen mit ihnen zu teilen, von ihnen zu lernen. Offenheit, zu entdecken, wo Gott längst bei den Menschen am Werk ist. Manchmal möchte ich es einfach mit einem Satz zusammen fassen: geht mit offenen Augen und mit Liebe im Herzen durch die Welt!

Das Kreuz mit dem Kreuz!

Das Kreuz sei ein klares Bekenntnis zur bayrischen Identität und zu den christlichen Werten. So schrieb es Markus Söder gestern bei Facebook, nachdem das Kabinett beschlossen hatte, dass ab 1. Juni in jeder staatlichen Behörde ein Kreuz hängen muss. Schnell verbreiteten sich seine Worte in den Sozialen Medien und Empörung machte sich breit. Ganz ehrlich, mein erster Gedanke bei dieser Meldung war: Wenn Herr Söder ein Bekenntnis zur bayrischen Identität wünscht, dann sollte das eher in Form von Lederhosen, Weißwurst und Bier geschehen, zumindest wenn man diversen Klischees folgt. Aber die lassen sich einfach so schlecht aufhängen. Gleichzeitig fragte ich mich, ob es bis zum 1. Juni noch eine Ausführungsbestimmung geben wird, wie diese Kreuze wohl auszusehen haben, mit dem Corpus Christi oder ohne, in Holz, Metall oder eher barock?

Aber natürlich habe ich mir noch mehr Gedanken dazu gemacht. Ich war erstaunt, wie schnell sich Protest besonders von zwei Seiten regte. Zum einen von denen, die die strikte Trennung von Staat und Kirche fordern und entsprechend keine Kreuze oder andere religiöse Symbole in öffentlichen Gebäuden sehen wollen. Zum anderen von Christen, die ihr Glaubenssymbol durch das gesetzmäßige Aufhängen von Kreuzen in staatlichen Behörden missbraucht sehen. Diese Diskussionen möchte ich gar nicht weiter befeuern, denn ich habe nicht den Eindruck, dass dies weiterführen würde. So will ich einfach meine Sicht der Dinge schildern, denn für mich steht da noch ein ganz anderer Aspekt im Hintergrund.

Vorweg: auch ich halte das Kreuz in den staatlichen Behörden für nicht angebracht. Wer es nutzt, sollte wissen für was es steht. Genau da aber liegt für mich das Problem. Seit vielen Monaten schon hört und liest man immer wieder davon, dass die christlichen Werte wieder hochgehalten werden müssten, dass sie gegen Angriffe von außen verteidigt werden müssten. Der Islam ist da schnell zum Feindbild geworden. Doch liegt das eigentliche Problem nicht beim Islam. Es liegt in unserer eigenen Gesellschaft. Die Rede von den christlichen Werten ist zu einem Reden in Floskeln geworden, denn wer weiß eigentlich wirklich noch, was sich dahinter verbirgt? Fragt man Menschen, was sie damit meinen (und das habe ich mehrfach getan), dann kommen da Aussagen wir Höflichkeit, Respekt den anderen gegenüber, Wertschätzung… Aber diese Werte finden sich auch in anderen Religionen oder Wertvorstellungen. Sie sind nicht spezifisch christlich. Wer die christlichen Werte einfordert, sollte es daher nicht bei Floskeln belassen, sondern sie auch mit Inhalt füllen. Das ist die eigentliche Herausforderung. Um das zu tun, braucht es ein gewisses Grundwissen in Sachen Religion, auch eine Teilnahme und ein Leben des Glaubens wären wünschenswert. Doch fragt man Menschen, was sie denn über den christlichen Glauben wissen, z.B. über den Hintergrund der Feiertage, dann bleibt es oft bei vagen Äußerungen, oder es zeigt sich ein deutliches Nichtwissen. Übrigens: genau diese Fragen stelle ich im Zuge meiner Pionierweiterbildung gerade Menschen auf der Straße. Deshalb ist es schwierig, in unseren Tagen von den christlichen Werten zu sprechen, wenn es nicht bei Floskeln bleiben soll. Denn Floskeln braucht kein Mensch.

Das Kreuz als Bekenntnis zu den christlichen Werten in staatlichen Behörden halte ich aber auch noch aus einem anderen Grund für ziemlich schwierig. Es stellt sich mir nämlich die Frage, ob es überhaupt ein solches Zeichen braucht, oder ob Jesus Christus es so gewollt hätte. Auch ich trage ein kleines Kreuz an einer Kette um den Hals, habe in meinem Arbeitszimmer und an anderen Orten im Haus ein Kreuz stehen. Doch trage ich es nicht, um zu zeigen, dass ich Christin bin. Ich bin mir sicher, dass ich es dafür nicht brauche. Genauso sicher bin ich mir, dass Jesus es zu diesem Zweck auch nicht wollte. Es hat einen anderen Sinn für mich. Oft erwische ich mich, wie ich in schwierigen Situationen, in Momenten des Zweifels oder der Fragen, mal eben das Kreuz an meinem Hals berühre. Oder ich suche mit den Augen das Kreuz in meinem Arbeitszimmer. Dieses Anfassen, dieser Anblick schenken mit Zuversicht, Hoffnung für das, was vor mir liegt. Es erinnert mich einfach daran, welch großes Geschenk mir Gott in Christus gemacht hat. Doch es braucht dieses Zeichen nicht aus Demonstrationszwecken irgendeiner Identität oder irgendwelcher Werte. Es wäre ein Armutszeugnis unseres Glaubens, wären wir nur an einem solchen Symbol erkennbar. „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!“ sagt Jesus in Matthäus 7,16. Was das heißt, führt Johannes in seinem ersten Brief aus: Und hieran erkennen wir, dass wir ihn erkannt haben; wenn wir seine Gebote halten.  Wer sagt: Ich habe ihn erkannt, und hält seine Gebote nicht, ist ein Lügner, und in dem ist nicht die Wahrheit.  Wer aber sein Wort hält, in dem ist wahrhaftig die Liebe Gottes vollendet. Hieran erkennen wir, dass wir in ihm sind. Wer sagt, dass er in ihm bleibe, ist schuldig, selbst auch so zu wandeln, wie er gewandelt ist. (1. Johannes 2,3-6) Ich bin mir sicher, wären wir an unseren Früchten erkennbar, müssten wir nicht über das Kreuz als Bekenntnis zu den christlichen Werten diskutieren. Dann würden andere uns schon an unserem Handeln erkennen.

So besteht für mich die eigentliche Herausforderung darin, dass Christinnen und Christen wieder an ihren Früchten, ihren Worten und Taten, erkennbar werden. Ich will jeden Tag daran arbeiten. Ihr auch? Hinterlasst doch mal in den Kommentaren, wie ihr mit der Frage nach dem Kreuz umgeht, oder was das Leben in Worten und Taten für euch bedeutet.

Licht unter dem Scheffel

Vor ein paar Tagen unterhielt ich mich lange mit einer Frau mittleren Alters. Es ging buchstäblich um Gott und die Welt. Irgendwann landeten wir auch bei dem, was ich tue. Ich erzählte ihr, dass ich Pastorin für fresh expressions of church sei, und von RaumZeit, meinem Projekt oder besser meiner Gemeinde, auch wenn sie als solche (noch) nicht anerkannt ist. Die Frau war sehr interessiert, stellte Fragen, wollte verstehen, was ich mache. Sie fragte sogar nach meiner Vision. Irgendwann, es war schon fast eine Stunde vergangen, sagte sie diesen einen Satz, der unserem Gespräch noch einmal eine ganz neue Richtung gab: „Übrigens, ich bin seit einigen Jahren auch gläubige Christin.“

Unsere Unterhaltung ging noch eine Weile. Ich habe sie sehr genossen. Und doch beschäftigt mich seither ein Gedanke: Warum halten wir mit unserem Bekenntnis zu Christus oft so lange hinter dem Berg? Ist es Angst? Haben wir schlechte Erfahrungen gemacht? Oder gehört es sich bei uns einfach nicht, offen davon zu reden? Vielleicht fühlen sich die anderen ja auch davon belästigt.

Viele dieser Beweggründe kann ich gut verstehen. So manch einer möchte auch lieber an seinen Taten und nicht an seinen Worten erkannt werden. Allerdings frage ich mich, wie die Menschen dadurch etwas von Jesus Christus erfahren sollen. Viele Verhaltensweisen werden einfach mit gutem Benehmen und Höflichkeit in Verbindung gebracht und nicht mit einem christlichen Leben. Früher oder später braucht es Worte, die von Jesus, von Gott, von Gnade und Barmherzigkeit erzählen. Warum also nicht früher und gut erkennbar? Ich weiß, ich höre jetzt schon die Stimmen, die an die alten Methoden der Mission erinnern, die vor Frommen und Straßenevangelisation warnen. Dann sind da auch noch die, die meinen, für Mission nicht geeignet zu sein, zu wenig zu wissen, nicht die richtigen Worte finden zu können.

Ich denke, es braucht dafür keine besondere Ausbildung, Vorbereitung oder ein besonderes Talent. Wer von Gott berührt wurde, der kann auch von ihm erzählen – durch sein Leben in seinem Alltag. Warum nicht mal sagen, dass man betet und wo es geholfen hat? Warum das Gebet vor dem Essen weglassen, nur weil man in fremder Gesellschaft ist? Warum nicht mal vom Gottesdienst erzählen und andere einladen und mitnehmen? Warum nicht auch mal davon erzählen, wo oder wie man Gott begegnet ist, wo man ihn gespürt hat? Am Anfang kostet das sicher Überwindung, braucht etwas Mut. Aber dann bereichert es nicht nur das Leben der anderen, sondern auch das eigene. So wie mein Gespräch mit der Frau vor ein paar Tagen noch einmal eine ganz neue Dimension bekam durch ihr Bekenntnis. Am Ende hätte sogar ein gemeinsames Gebet stehen können. Schade, dass wir es nicht getan haben.

So möchte ich euch Mut machen, selbst anderen von eurem Leben mit Jesus zu erzählen. Ich bin mir sicher, dass es euer Leben unglaublich bereichern wird. Ganz nebenbei würden wir damit auch den Auftrag Jesu erfüllen: „Gehet hin in alle Welt und machet zu Jüngern alle Völker.“

Wie geht es euch mit dem Bekenntnis zu Jesus Christus? Erzählt ihr anderen davon oder liegt euch das eher nicht? In den Kommentaren ist Platz für eure Erfahrungen.

Wie hältst Du´s mit der Frustration?

Es sollte ein Experiment, ein Versuch, ein erstes Angehen werden. Die Idee dazu entstand irgendwann im November des vergangenen Jahres. Da huschte ein Hashtag durch die sozialen Medien – #hundert5 – verbunden mit der Frage und der Idee, dass sich hundert Pionierinnen und Pioniere einen Abend lang, fünf Stunden, treffen, sich kennenlernen, austauschen, inspirieren. Ich war von Anfang an von der Idee begeistert. Geworden ist daraus das Missionale Atelier am Vorabend der diesjährigen Missionale in Köln. Mein Terminkalender gab mir frei und ich konnte fahren.

Zwar waren es nicht hundert Pioniere, doch ungefähr fünfzig trafen sich im Solution Center, einer Büroetage für Coworking, mit Sesseln und Sofas, Küche und Kaffeeecke wunderbar eingerichtet. Die meisten kannten sich schon – einige persönlich, viele aus den Sozialen Medien, wo man sich gegenseitig folgte, voneinander oder den jeweiligen Projekten las. So entstanden binnen weniger Minuten angeregte Gespräche. Es wurde von den eigenen Vorhaben berichtet, Fragen gestellt, Ideen getauscht und reflektiert. Endlich gab es dafür genügend Raum und Zeit. Wieviele Ideen an diesem Abend noch entstanden sind, werden vielleicht erst die nächsten Wochen zeigen. Doch für mich war Energie und Kreativität im Raum. Allein dafür hat sich die lange Fahrt gelohnt.

Mein persönliches Highlight aber war der Eingangsimpuls von Frank Berzbach. Durch sein Buch „Die Kunst ein kreatives Leben zu führen“ war ich einst auf ihn aufmerksam geworden. Ihn nun real erleben zu dürfen, bereicherte meinen Abend. Unter der Leitfrage „Wie hältst Du’s mit der Frustration?“ bzw. dem Thema „Kreativität und Frustration“ ließ er seine Hörer an seinen Gedanken teilhaben. Die begannen mit dem Satz „Wer kreativ ist, ist automatisch mit Frustration konfrontiert.“. Dabei sind wir alle kreativ, nur mit der Realisierung hapert es oft. Anschließend stellte Berzbach die zwei Seiten der Frustration vor, berichtete von den Fallstricken, die eine Organisation den Kreativen stellt, allein dadurch dass sie Organisation ist. So muss der Kreative Nischen finden, in denen Innovation möglich ist, eine Art zufriedener Außenseiter werden, der Bremser und Bedenkenträger ignoriert ohne für berechtigte Kritik blind zu werden. Dabei ist die Einsamkeit die größte Ressource der Kreativität.

Mit diesen Worten hat Frank Berzbach mir viel zum Nachdenken mitgegeben. Bei weitem nicht alle Gedanken waren an diesem Abend schon abgeschlossen. Kreativität, Einsamkeit, Außenseitertum – Begriffe, die mich in meiner derzeitigen Situation ansprechen. Es von jemand anderem zu hören, war wie eine Erlaubnis es zu leben. Das trägt noch einmal andere Aspekte in mein Tun. Dazu trat ein weiterer Gedanke Frank Berzbachs: Wer mit Humor über die Fallstricke der Organisation balanciert, kommt nicht so oft zu Fall. Humor entwaffnet, wie Joseph Beys einmal sagte. Er hilft, eine Art „selektiven Größenwahn“ zu leben, in dem man unterscheidet, was man ändern kann und was nicht, um die eigene Energie zu erhalten. Denn ohne Energie gibt es keine Kreativität.

Diese Energie war im Anschluss im Raum zu greifen. Die Coaching Zone mit Bob und Mary Hopkins bereicherte die Gespräche noch um weitere inspirierende Gedanken. Von Frustration war für mich in diesen Stunden wenig zu spüren. Da galt wohl jener Satz, der im geistlichen Abschluss fiel: „Gottes Antwort auf Frustration ist Geist.“

Experiment geglückt. Der Abend war mehr als gewinnbringend und ich wünschte mir, es gäbe mehr dieser Ateliers, in denen Energie und Kreativität frei gesetzt werden und Neues entsteht. Mich zumindest lassen die Gedanken dieses Ateliers noch nicht los und ich werde sicher an so manchem weiter denken.

Übrigens: einige der besten Zitate schwirren in den Sozialen Medien unter dem Hashtag #missionale18 rum.

Wenn Ermutiger Ermutigung brauchen

Wenn mich Menschen fragen, worin ich meine Aufgabe sehe, so lautet eine Antwort „Ich möchte Menschen Mut machen, ihre eigene Form von Kirche zu entdecken und zu gestalten.“ Ich möchte Mut machen, ermutigen. Und nicht nur ich, viele andere auch. Gerade letztes Wochenende sagte eine junge Kollegin mit Blick auf ihre Jugendarbeit zu mir: „Ich sehe mich als Ermutigerin für die Jugendlichen.“ Den Menschen nicht vorgeben, was zu tun ist, sondern sie ermutigen, selbst auszuprobieren, selbst zu gestalten – für mich ist das eine wichtige Grundlage meiner Arbeit.

Doch immer häufiger erlebe ich, dass Ermutigerinnen und Ermutiger selbst mutlos werden. Die, die sie ermutigen wollen, möchten lieber konsumieren, als selbst aktiv zu werden. Projekte kommen nicht ins Laufen. In ihrem Umfeld schlägt ihnen mehr Gegenwind entgegen, als dass sie Unterstützung erfahren. Und manchmal sind es die bürokratischen Zwänge, die jedes zarte Pflänzchen im Keim ersticken. Dann höre ich Sätze wie: „Die Kirche ist noch nicht so weit.“ oder „An den ganzen Widerständen reibe ich mich auf!“…

Auch mir geht es manchmal so. Endlose Diskussionen in einer Sitzung, zigtausend Nein und Aber mit Blick auf ein neues Vorhaben. Dann würde ich am liebsten alles hinschmeißen, mir eine x beliebige Stelle suchen und gut wäre es. Doch es gibt Dinge, die mich davon abhalten, mir wieder Mut schenken. An erster Stelle steht da meine Beziehung zu Gott. Wenn ich sein Wort höre, seine Gegenwart spüre, mit ihm rede, dann spüre ich neuen Mut, neue Motivation. Dann weiß ich, dass sich alle Mühe lohnt.

Daneben gibt es aber noch etwas, das mir hilft – Beziehungen zu und Gemeinschaft mit gleichgesinnten Christen. Wenn es im täglichen Geschäft eng wird, dann habe ich eine Freundin oder einen Freund, der ich texten kann, der für mich und mit mir betet. Um gute Gemeinschaft zu erfahren, habe ich mir Netzwerke gesucht, in denen wir gemeinsam auf dem Weg sind. Churchconvention ist so eines. Und dann muss ich ein- bis zweimal im Jahr zu einem Kongress, einem Großevent, wo ich einfach auf Grund der Teilnehmerzahl schon spüre, dass ich nicht allein unterwegs bin. Mit zehntausend Menschen „Lobet den Herren“ singen tut einfach gut. Dazu gute Themen, Workshops, Gespräche. Das gibt Kraft für mindestens ein halbes Jahr.

Deshalb möchte ich euch Mut machen. Sucht euch eure Unterstützer, die ihr zu jeder Zeit anrufen könnt. Sucht euch eure Netzwerke, die euch gut tun. Fahrt zu Veranstaltungen, die euch spüren lassen, dass ihr nicht alleine unterwegs seid. Vor allem aber hört auf Gottes Wort und Stimme und betet. Kaum etwas gibt soviel Kraft wie das Gespräch mit Gott.

Was gibt euch Mut? In den Kommentaren könnt ihr davon erzählen.

Übrigens: am 23. und 24. Februar bin ich bei der Missionale in Köln – auch so ein mutmachendes Event. Bei Twitter und Facebook werde ich mich von dort melden. Also folgt mir doch auch dort.