Gelesen: Vom Glück SELBSTlos zu leben

Vor einigen Wochen habe ich ein Buch gelesen und es wirkt immer noch nach. Das geschieht mir nicht so oft bei Büchern. Dabei ist dies weniger ein Buch. Eher ist es eine Broschüre oder ein Aufsatz. Wirkliche Buchlänge hat es nicht und doch bewegt es mich.

Timothy Keller, Pastor einer Gemeinde in New York, in einem Stadtteil, in dem niemand eine Kirche erwartet hätte, hat dieses Buch geschrieben. Gleich zu Beginn greift er zwei Thesen auf, die dem einen oder anderen nicht unbekannt sind und denen man vielleicht auch erst einmal zustimmt. Die erste These beinhaltet, dass Menschen in unserer Welt immer wieder auf Abwege geraten, weil es ihnen an Selbstwertgefühl mangelt. Das kann sich dann in psychischen Krankheiten äußern oder darin, dass man straffällig auffällig wird, um nur zwei der Extreme zu benennen.

Die zweite These besagt, dass das Gegenteil des mangelnden Selbstwertgefühls, der Stolz oder die Überheblichkeit für den Menschen genauso schädlich ist. Das gelte auch für Menschen, die zunächst einmal nicht überheblich erscheinen, sondern einfach etwas erreicht haben. Timothy Keller zitiert dabei aus einem Interview mit Madonna, die sagt: „Ich bin zwar jemand geworden, aber ich muss immer noch beweisen, dass ich jemand bin. Dieser Kampf war noch nie zuende und wird es vermutlich auch nie sein.“

Auch Timothy Keller kennt dieses Gefühl und er findet seine Antwort in einem Brief des Paulus an die Korinther. Da schreibt der Apostel, dass für ihn die Meinung
der Menschen über ihn nicht entscheidend ist. Er kann sie hören, kann auch
Kritik annehmen, aber sie macht nicht seinen Wert aus. Das gleiche sagt Paulus aber auch über seine eigene Meinung über sich selbst aus. Auch sein eigenes Selbstwertgefühl ist am Ende nicht entscheidend. Seinen Selbstwert, seine Identität findet Paulus an anderer Stelle: er sucht es in einem letzten Urteil, nach dem er auf kein weiteres mehr warten muss. Ein letztgültiges Urteil, dass er wichtig und wertvoll ist.

Es gibt, so schreibt Timothy Keller, dieses eine Urteil, das ergeht, bevor die gesammelten Lebensleistungen,
Karriere, Geld, Beruf, Schulnoten, überhaupt bekannt sind. Dieses Urteil lautet: Du bist geliebt von Gott! An diesem Urteil ist ein Leben lang nicht mehr zu
rütteln, egal, was geschieht. Aber unter dem Eindruck dieses Urteils gestalten der selbstlose Mensch sein Leben. Weil Gott ih liebt, muss er nichts mehr tun, um deinen Lebenslauf aufzubessern. Er muss nichts mehr tun, um ein gutes Bild abzugeben. Er kann die Dinge einfach tun, weil sie ihm Freude machen. Er kann anderen helfen, nicht damit er sich großartiger fühle, nicht um seine eigene innere Leere zu füllen, sondern weil er sich von Gott geliebt weiß und es ihm Freude macht.

Timothy Keller bezeichnet dieses Leben als selbstloses Leben. Für mich hat der Begriff Selbstlosigkeit durch dieses Buch noch einmal eine neue Bedeutung gewonnen weg von aller Selbstaufgabe und Selbstverneinung. Ein selbstloses Leben als Leben unter dem Urteil Gottes, dass ich geliebt bin unabhängig von meiner Lebensleitung. Ein Leben, dass frei macht von den Urteilen dieser Welt, dass mir Freude schenkt, anderen zu helfen. Dann ist es wirklich ein Glück, selbstlos zu leben.

Dieses kleine Buch mit seinen gut vierzig Seiten war schnell gelesen, doch es hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck, der mich immer wieder reinschauen lässt. Kennst du das Buch vielleicht und ging es dir beim Lesen wie mir? Ich freue mich über deine Erfahrungen mit diesem Werk in den Kommentaren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.