Bild: KirchGezeiten

Aus dem Pioniertagebuch – Seite 3

Warum? Wie oft haben meine Kinder mir diese Frage schon gestellt? Als sie damit anfingen, habe ich mir vorgenommen, sie nie mit Antworten abzuspeisen wie „Wie das so ist!“ oder „Dafür bist du noch zu klein!“. So versuche ich immer, ihnen angemessene Antworten zu geben, mit denen sie etwas anfangen und an denen sie weiterdenken können. Manchmal ist das gar nicht so einfach. Aber ich merke, dass die Kinder so die Lust am Fragen behalten und Dinge nicht einfach hinnehmen.

Warum? Diese Frage bekam in den letzten Tagen Pionierweiterbildung auch für mich noch einmal eine neue Bedeutung. Alles fing mit einem Planspiel an. Ein Planspiel zum Thema „mixed economy“ – es füllte einen Vormittag und brachte mich zum Nachdenken. Situation dieses Spiels, entwickelt am IEEG in Greifswald, ist eine Kirchenregion im Nordosten Deutschlands, die auf Grund anstehender Personalkürzungen neu überlegen muss, wie sie ihre Arbeit bzw. ihr kirchliches Leben gestalten will. Verschiedene Partner sitzen am Verhandlungstisch wie die Pfarrerin, der politisch interessierte Küster und der pietistische Pionier. Wir haben das Spiel in mehreren Gruppen gespielt, doch am Ende berichteten alle ähnliche Erfahrungen: Damit sich in den Verhandlungen etwas rührte, musste einer seine Rolle verlassen. Noch wichtiger aber: so lange sich die Verhandlungspartner nicht auf ein Ziel, eine Vision geeinigt hatten, blieb es bei einzelnen Ideen. Ein gemeinsames Ganzes entstand nicht. Wenn die Kirchenregion sich nicht klar ist, warum sie etwas tut, entsteht nichts längerfristiges. Es braucht eine Vision.

Warum? Die Frage nach der Motivation, der Vision ist mir ja schon lange wichtig. Mal wieder stand ich an dem Punkt, dass ich überlegte, ob wir in unseren Gemeinden und Kirchen überhaupt eine Vision verfolgen, oder ob wir nicht meistens einen Business as usual-Weg eingeschlagen haben. Die Erledigung des Alltagsgeschäfts, irgendwie über die Runden zu kommen, ist so in den Vordergrund gerückt, dass die Frage nach dem Warum? in den Hintergrund geraten ist, keine Antwort mehr findet.  Antworten wie „Das machen wir schon immer so.“ oder „Als Kirchengemeinde macht man das so.“ stellen nicht zufrieden, regen nicht zum weiteren Nachdenken an. Ich merke, von der Situation meiner Kinder sind wir da gar nicht so weit entfernt.

Warum? Es wurde Zeit, dass wir uns diese Frage auch für unsere Initiativen und Projekte stellten. Anhand der Theorie von Simon Sinek (Start with Why) versuchten wir zu formulieren, was unsere Motivation ist, was uns antreibt, diese eine fresh x zu gründen. Was ist unsere Vision? Warum machst du das? Dabei stellte sich schnell heraus, dass die ersten Antworten meistens noch wieder zu hinterfragen sind. Nicht bei den Floskeln zu bleiben, war gar nicht so einfach. Mit „um das Evangeliums zu verkünden“ wollte ich mich nicht zufrieden geben. Das höre ich so oft und habe das Gefühl es bleibt bei einer Formel der Antwort „weil das so ist“ an die Kinder vergleichbar. Also noch einmal:

Warum? Ich habe diese Frage in den letzten Tagen mir immer und immer wieder gestellt. Mittlerweile habe ich für mich eine Antwort und ich merke, sie verändert etwas im Blick auf meine Arbeit. Das, was in meiner Dienstvereinbarung steht, hat dadurch eine Veränderung erfahren, einen anderen Stellenwert bekommen. Diese Antwort ist viel existentieller, hat etwas mit mir zu tun und motiviert mich anders als das, was mir durch meinen Dienst aufgegeben ist.

Warum? Mit dieser Frage fing es an und mit dieser Frage endet es auch. Wieder einmal merke ich, dass es ohne Vision langfristig nicht läuft. Deshalb frage ich mich umso mehr, worin die Vision unserer Gemeinden und Kirchen besteht. Ich hoffe sehr, dass es dabei nicht bei Formeln bleibt, denn eine ehrliche, wirkliche Antwort regt nicht nur zum Nachdenken an, sondern motiviert auch ungemein. Aber Vorsicht: sie hat etwas mit einem ganz persönlich zu tun!

Warum? Stellt Ihr euch diese Frage auch? Ich bin gespannt, von Euren Erfahrungen mit dem Warum? zu erfahren.

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