Alles auf Neuanfang?

Noch völlig leer liegt es vor mir. Nur die Ferientermine stehen schon drin. Sie werden viele der Termine bestimmen, die irgendwann auf diesem Blatt stehen werden. Aber noch ist es leer und in mir schwingt die Frage, ob ich mit diesem Blatt nicht einfach alles auf Neuanfang setzen kann.

Manchmal ist dieser Wunsch plötzlich da. Dann, wenn im vergangenen Jahr etwas nicht gut gelaufen ist. Dann, wenn Erfahrungen zu schmerzhaft waren. Dann, wenn etwas das Gefühl von Versagen, Nicht-gut-genug-Sein oder auch Schuld hinterlassen hat. Einfach noch einmal neu anfangen können, nicht an altem bemessen werden. Nicht mit den alten Erfahrungen im Gepäck losgehen, die vieles unmöglich scheinen lassen. Ich denke, dass deshalb viele Menschen Sprüche wie „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“ so gerne lesen, hören, teilen.

Natürlich weiß ich, dass das tatsächlich nicht geht. Mindestens unsere eigenen Erfahrungen, Gedanken, Gefühle haben wir immer dabei, selbst wenn das Umfeld neu und unbekannt ist und von all dem Vergangenen nichts weiß. Ich will auch gar nicht alles hinter mir lassen. Neben den weniger schönen Dingen ist da auch so viel Gutes, das mich trägt, aus dem ich schöpfen kann und sei es nur die Erinnerung an einen schönen Moment, die mir Kraft gibt für das Weitergehen.

Nach zwei Jahren Fresh Expressions in Theorie und Praxis ist das Nachdenken über den Neuanfang rund um diesen Jahreswechsel besonders laut. Die ersten Formate haben wir in meinem Projekt schon wieder aufgegeben. Einige neue Ideen hängen in der Luft. Gleichzeitig gibt es ein großes Gefühl von Abhängigkeit von Unveränderbarem und Dankbarkeit für das Getragenwerden durch Etabliertes. Und doch wünschte ich mir manchmal den Knopf, mit dem in der Kirche alles auf Neuanfang gesetzt werden könnte. Wie gerne würde ich beobachten wollen, wie sich dann alles entwickeln würde. Glaube, Gottesdienst, Gemeinschaft, Gemeinde, Institution. Würde es anders, besser werden? Ehrlich? Ich denke nicht. Wir bleiben Menschen mit all unseren menschlichen Grenzen. Perfekt kann nur einer. Der aber sagt: „Seid getrost, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Darauf vertraue ich, wenn ich manchmal gerne alles auf Neuanfang setzen würde und es doch nicht kann, sondern mit den Erfahrungen, Gedanken und Gefühlen im Gepäck meine Wege weiterziehe.

Und dann füllt sich binnen Minuten das leere Kalenderblatt vor mir mit Terminen, die im alten Kalender nur darauf gewartet haben, im neuen endlich zur Geltung zu kommen. Ich hoffe, dass das auch für die Kirche gilt, dass Dinge, die im alten warten, im neuen endlich zur Geltung kommen. Was das sein wird? Es wird sich zeigen…

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